Heidi Jastrow

Hoffnung. Einheit. Herrlichkeit.

Drei sehr fromme Worte.

Hoffnung. Einheit. Herrlichkeit. Drei fromme Worte. Na klar, wir sind dafür! Aber wie so oft erschließt sich die Bedeutung dieser ‚kanaanäischen‘ Sprache nicht einmal uns Frommen so ohne weiteres. Was meint ihr denn damit eigentlich genau, wurde ich letzte Woche wieder einmal gefragt. Ja, also, ähm…

Hoffnung – worauf? Dass die Welt in ihrer desolaten Situation Hoffnung braucht, ist klar. Nur wie eigentlich? Auf was sollen wir denn hoffen – Augen zu und hoffen, dass ‚alles einfach wieder gut‘ ist, wenn wir sie wieder öffnen?

Einheit. Ist es nicht eine Illusion zu glauben, dass die Menschen in ihrer Verschiedenartigkeit und erst recht Gemeinden mit ihren teils grabentiefen Unterschieden ihrer Prägung in Theologie und Frömmigkeitsstilen wirklich so „eins werden“ miteinander wie Jesus seine eigene Einheit mit dem Vater in Johannes 17 beschreibt? Sich nicht aktiv zu ‚bekriegen‘, eine Art Waffenstillstand, ist ja manchmal schon ein großer Erfolg, Frieden miteinander halten, sich in der Andersartigkeit wertschätzen. Aber ist das schon Einheit?

Herrlichkeit. Sicherlich der frömmste Begriff von allen. Wir reden von Gottes Herrlichkeit, wir sehnen uns danach, dass Gott mit seiner Herrlichkeit unser Land berührt. Neu berührt, zum ersten Mal berührt. Aber was bedeutet das denn eigentlich, wie sieht das aus?

Immer wieder muss ich darüber nachdenken, dass Gott sein Volk auserkoren hat, der Ort zu sein, an dem er ist, an dem er bleibt, an dem er wohnt. Gottes gesamte Geschichte mit der Menschheit lässt sich unter diesem Aspekt betrachten und erklären. Wie an einer Demo-Version können wir vom Volk Israel des Alten Testaments lernen, was das bedeutet. Gott wohnte in ihrer Mitte, in seinem Heiligtum. Die außerbiblische Legende erzählt, dass auf der Bundeslade, unter den Cherubinen, an dem Ort, von dem herab Gott zu Mose und zu den Priestern sprach, eine kleine blaue Flamme brannte – dauerhaft am Brennen gehalten von Gott selbst, solange seine Herrlichkeit dort ruhte. Eine blau-heiße, göttliche Flamme: die BlueFlame.

Christus in uns – die Hoffnung auf Herrlichkeit, sagt Paulus im Kolosserbrief. Wie geht es uns, wenn wir im Neuen Testament verstehen, dass wir – die Gemeinde Jesu, seine Kirche – heute dieser Ort sind, an dem Gott wohnt, der Tempel des Heiligen Geistes? Gottes Herrlichkeit, das ist seine Gegenwart, seine herrliche, begeisternde, Lobpreis und Leidenschaft entfachende Gegenwart, die Menschen die Augen des Herzens öffnet, die rettet und vergibt, heilt und heiligt, erfüllt und in Bewegung bringt. Gleichzeitig ist Gott ein ‚Schwergewicht‘, und wir zerbrechlichen Menschen und Gemeinden sind der ‚Stuhl‘, auf dem er sich niederlassen will. Können wir das tragen? Sind wir tragfähig genug, aufnahmefähig genug, sind unsere Herzen und Tore weit geöffnet, um diesen König der Herrlichkeit einzulassen und aufzunehmen? Stehen wir als Gemeinden Schulter an Schulter und haben wir dann gemeinsam genügend starke Schultern, um ‚Landeplatz‘ für Gottes Herrlichkeit, für die Anwesenheit des Königs der Welt zu sein?

Wenn das so ist, dann gibt es tatsächlich Hoffnung für diese Welt, denn dann gibt es die Hoffnung, dass Gottes Herrlichkeit seine Kirche in unserem Land mehr und mehr erfüllt und diese Herrlichkeit mit all ihren Auswirkungen in diese Welt hineinströmt. Hoffnung, weil Gottes Geist die Gemeinde, d.h. jeden einzelnen Jesus-Nachfolger und dadurch auch ihre Beziehungen zueinander komplett transformiert, und Hoffnung, weil transformierte, erfüllte Jünger Jesu diese Liebe, diese Kraft, diese Gegenwart Gottes in ihr Umfeld hineintragen. Es ist eine Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes, die sich auf dem ‚wir sind eins‘ lagert und nur dort freigesetzt wird, und es ist die einzige Hoffnung, die diese Welt hat, selbst wenn sie das nicht weiß.

Hoffnung kann man nicht ‚machen‘, nicht herbeireden, genauso wenig wie Einheit oder gar die Herrlichkeit Gottes. Was wir tun können, ist uns selbst ganz weit für diesen König zu öffnen und mit ‚vereinten Kräften‘ (im wahrsten Sinne des Wortes) darum zu beten, dass wir gemeinsam die Tragfähigkeit entwickeln, die die herrliche, mächtig-schwere und alles-verändernde Gegenwart unseres Gottes ‚schultern‘ kann. Lasst uns beten! Lasst uns Sehnsucht haben … nach mehr! Lasst uns entdecken, dass Schulter-an-Schulter-an-Schulter-an-Schulter der unterschiedlich geprägten Kirchen und Gemeinden des einen Gottes zu einer großflächigen Landebahn werden kann. Zu dem Ort, an dem Gott selbst seine blau-heiße, göttliche Flamme entzündet und dauerhaft am Brennen hält. Zu dem Ort, von dem eine ganz konkrete, anfassbare Hoffnung mit transformierender Wirkung ausgeht, die in unsere Gemeinden hinein und aus ihnen heraus in die Welt fließt.

Foto von Engin Akyurt: https://www.pexels.com/de-de/foto/grunblattrige-pflanze-auf-sand-1438404/

Quelle Titelbild: https://www.pexels.com/de-de/foto/grunblattrige-pflanze-auf-sand-1438404/Foto von Engin Akyurt: https://www.pexels.com/de-de/foto/grunblattrige-pflanze-auf-sand-1438404/

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